Freitag, 07. Februar 2014.Wertschätzende Kommunikation …

…ist Voraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft. Das sagt Carl Hipp in seinem Buch „Achtung Anstand“, das gerade in den Feuilletons viel Beachtung findet. Hipp ist, wie jede Mutter/ jeder Vater weiß, „Erfinder“ der Fertignahrung für Babys und Pionier für Bio-Babynahrung. Respektvolles Miteinander, so Hipp, sei kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für eine gut funktionierende Gesellschaft. Denn: Wer sein Gegenüber anständig behandelt, respektiert dessen Persönlichkeit, lässt ihm seinen Freiraum, tritt ihm – auch ganz konkret – nicht zu nahe.

Leider passiert genau das relativ leicht. Wir Deutschen sind sehr direkt, sagen unserem Gegenüber die Dinge gerne ohne Umschweife „ins Gesicht“ und schätzen es, nicht lange „um den heißen Brei herumzureden“. Dabei ist die Gefahr groß, den Anderen in die Defensive zu drängen oder ihn gar zu verletzen. Das hat Folgen und schadet letztlich auch dem „Sender“.

Es geht deshalb um Bewusstheit. Selbstbewusstsein ist nach Meinung von Hipp eine Voraussetzung für angemessenes Benehmen. Mangelndes Selbstbewusstsein im Umkehrschluss häufig die Ursache für Grenzüberschreitungen. Wer selbstbewusst ist, muss sein Ego nicht mit unangebrachtem Verhalten aufpolieren. Er oder sie ist so souverän, geltende Regeln zu achten.

Der Volksmund sagt „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem Andern zu“. Diese Regel findet sich in abgewandelt in allen Religionen und philosophischen Lehren. Carl Hipp spricht von ‚Gemeinwohlorientierung’ und meint die Verantwortung jedes Einzelnen, das eigene Verhalten immer wieder auf seine Wirkung hin zu überprüfen. Das nimmt uns in die Pflicht, unsere persönlichen ‚Grenzerfahrungen’ immer wieder zu überdenken.

Das letzte Wort in Hipps Buch lautet denn auch ‚Herzensbildung’. Ein altmodisches Wort, aber deshalb nicht falsch. Heute sprechen wir eher von sozialer Kompetenz und Intelligenz. Von Fertigkeiten wie Hilfsbereitschaft, Toleranz, Achtung, Empathie. Sie brauchen wir in der Tat für eine funktionierende Gesellschaft.

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Kommentare (2)

  1. Wir Deutschen sind sehr direkt, sagen unserem Gegenüber die Dinge gerne ohne Umschweife „ins Gesicht“ und schätzen es, nicht lange „um den heißen Brei herumzureden“.

    Und dabei die richtige Balance, den richtigen Ton, die richtigen Worte zu finden – ohne sich hinter diplomatischen Allgemeinplätzen zu verbergen – ist die Herausforderung. Das ist eine höchst individuelle Angelegenheit und hat viel mit meinem Gegenüber zu tun. Egal wie man das im Einzelnen löst – die Authentizität ist für mich dabei das Wichtigste.

    Übrigens gefällt mir das altmodische Wort der Herzensbildung erheblich besser als die inflationär bemühte „soziale Kompetenz“ oder „Intelligenz“.

  2. Danke, liebe Hannelore,
    das ist eine tolle Anregung Die Herzensbildung würde unsere Welt so viel besser machen.
    Das fängt schon an mit dem Telefonieren, wo wir oft meinen, allzeit bereit sein zu müssen. Und wenn wir selbst anrufen, fallen wir oft mit der Tür ins Haus…
    Andere Kulturen nehmen sich mehr Zeit: Wie geht es deiner Familie, seid Ihr alle gesund ? …..
    LIebe Grüße
    Gertraud.

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