Montag, 08. September 2014.Was ist eigentlich Erfolg? How does one define success?

English version

Wenn wir voll Anerkennung von jemandem sagen, er sei erfolgreich, was genau meinen wir eigentlich damit? Finden wir jemanden, der wunderbar schreiben aber davon nicht leben kann erfolgreich? Oder wie beurteilen wir den Erfolg eines Managers, der Unternehmensumsatz und –gewinn steigert, von dem wir aber wissen, dass er das durch Ausbeutung von Mensch und Umwelt erreicht? Ist Erfolg eine Zuschreibung von außen? Definieren andere Gesellschaften Erfolg genauso wie wir? Wann sagt man von sich selbst: „Ich bin erfolgreich?“

Der Brockhaus unterscheidet zwischen betriebswirtschaftlichem und psychologischem Erfolg, und, man staune, ein betriebswirtschaftlicher Verlust ist demnach ein negativer Erfolg. In der Psychologie bedeute Erfolg die geglückte Verwirklichung selbst gesteckter Ziele, was wiederum positiv motivierende und Anspruch steigernde Wirkung habe. Was aber, wenn sich jemand zum Ziel setzt, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld zu machen? Ist ein George Soros erfolgreich? Oder ist er es nur dann, wenn er mit seinem Geld wohltätige Initiativen unterstützt?

Was verstehst Du unter Erfolg und wen bezeichnest Du als erfolgreich – und warum?

Es gibt sicher etliche Antworten auf diese Frage. In loser Reihenfolge werden hier und auf Facebook die unterschiedlichsten Menschen (und Unternehmen) vorgestellt – verbunden mit der Frage: Ist dieser Mensch/ dieses Unternehmen nach Deiner persönlichen Vorstellung erfolgreich und warum – oder warum nicht?

How does one define success?

When we see someone, with appreciation, as being successful, what do we actually mean by that? Do we see a talented writer who can’t pay his bills as successful? How do we assess the success of a Manager, who boosts sales, knowing that his goals are reached by exploitation of humans and nature? Is success an external attribution? Do other cultures have similar definitions for being successful? And at which point do you begin saying to yourself: “I am successful?”

The German encyclopedia “Brockhaus” knows a distinction between economical and psychological success and it even defines economical loss as ‘negative success’. From the psychological point of view success is the accomplishment of self-assigned tasks and reaching goals, which reinforces positive motivation and growth of demands. But what happens, if someone’s goal is to earn as much money as possible in as little time necessary? Is a man like George Soros successful? Or is it necessary for him to give charitable donations in order to be a real success?

How would you personally define success? Who is successful in your eyes – and why? Maybe we can answer these questions together. A highly diverse range of people and companies will be presented on this site (and facebook) in no particular order, asking you to react, giving an answer to the question: Is this individual/this company successful from your personal point of view and why – or why not?

Kommentare (7)

  1. Es ist mal wieder typisch, Hannelore wirft einem Gedanken zu, im persönlichen Gespräch oder in diesem Blog und der läßt einem nicht mehr los, dass man selbst trotz großer Müdigkeit in vollen Zeiten sich an dem schönen Diskurs beteiligen mag… 🙂 NIcht zuletzt, weil mich das für meine eigene „Suche“ grad beschäftigt.
    Auf Deine erste Hinweismail hin habe ich mir überlegt, was/wen ich als erfolgreich bezeichnen würde: Denn nur die Zahl X an produzierten Mengen, geführtem Personal, verdientem Höchstgehalt ist es sicher nicht: Ich sehe die Menschen als erfolgreich, die ich durch und durch authentisch empfinde, in dem was sie tun und wie sie es tun. Ich mußte für mich feststellen, dass ich nie den materiellen Erfolg von jemand bewundere oder positiv beneide, sondern seine Authenzität mit einem Wissen, was zum ihm als Individuum paßt und als Handlungen wichtig ist.
    Gestern Abend habe ich einen Film über Markus Lüpertz gesehen, dessen Bilder von allen bewundert werden und der auf den ersten Blick allein wirtschaftlich gesehen erfolgreich ist. Dann kamen die Untertöne, dass er aber doch eitel, manchmal schwierig ist und ein fast übertriebenes Selbstbewusstsein besitzt… Ja, das stimmt, aber auf einmal fiel mir Hannelores Blog-Gedanke ein und ich sah weitere nach meinem Eindruck wichtige Zutaten für das Erfolgreich sein: Eine schützende, manchmal auch Ablehung erzeugende Art von Egoismus, doch gleichzeitig ein unstillbares Interesse an weiteren Themen des Lebens (Lüpertz z.B.für Philosophie und mit eigenem Verlag.), um nicht stehen zu bleiben, sich weiterzuentwickeln. Genau deshalb wecken seine Bilder mein Interesse, ich empfinde sie als authentisch, da spiegelt sich m.E. der Mann wider.

    Und genau diese Kombination beobachte ich bei erfolgreichen Menschen, die ich schätze. Manche sind – gemessen an Zahlen – wirtschaftlich erfolgreich, wären das aber nicht ohne stete, weite Blicke über einengende Telleränder in die dahinterliegenden „Landschaften“. Für mich ist aber auch der Maler, erfolgreich, bei dem ich Kurse mache. Er malt wunderbare Bilder, mit denen er nie das Geld eines Lüpertz verdienen wird, weil er bewußt nicht an alle und jeden verkaufen will..Er ist nicht wirtschlaftlich erfolgreich, lebt so lala vom Unterrichten. In einem großen Atelierraum hat er für sich und seinen Sohn eine Art Baumhaus gezimmert hat, weil die Vermieter den anderen Teil seiner ursprünglichen Wohnung zu einem Kindergarten umbaute, er aber auf dem großen Garten vor dem Fenster als Inspriation und Freiluftatelier nicht verzichten will. Für seine Lebensinhalte/Ziele ist er erfolgreich, in seinem Tun authentisch, in einem bestimmten Grad natürlich auch egoistisch. Aber er schätzt dieses Leben, wollte immer Künstler sein, gibt es ihm gleichzeitig die Freiheit, seine Kenntnisse als Philosoph, Kunsthistoriker und Psychologe auszubauen – von denen wir profitieren und die Zeiten mit ihm als etwas Kostbares, „Erfolgreiches“ erleben.

    Hannelore, ich bin gespannt, welche Antworten dazu aus Afrika und Nepal kommen! Denn nicht nur, dass natürlich – wie Julian Feil sagt – die Menschen um einem rum Anteil an dem Erfolg, wie auch immer der aussieht, haben. Das Beispiel mit den zwei Autoren, die beide gut schreiben, aber nicht gleich (wirtschaftlich) erfolgreich sind, zeigt musterhaft nach meinen Erfahrungen, dass es da noch eine Unbekannte X gibt, die ihren nicht greifbaren Einfluss an der Größe/Art der Erfolges hat: Sei es die Zeit, das Glück oder der berühmte Zufall… Vielleicht sind dafür andere Kulturen sensibler.

    Aber um darüber weiter Nachzudenken fallen mir jetzt dann doch die Augen zu… 🙂 Eben, ich bin gespannt wie es weitergeht – Danke an alle!

  2. Also, Ihr Lieben, da schreib ich doch auch mal. Erfolg ist für mich persönlich nämlich ein wichtiger Begriff ;-). Zum einen, meine ich, bedeutet das Wort einfach nur Effekt, Ergebnis – Folge von Handlungen, Intentionen, Strategien etc. Was Hannelore aufwirft, ist die Frage nach der Wertung dieses Effekts, Und die ist natürlich individuell und subjektiv. In diesem Sinne ist Erfolg das, was Du findest. Für mich selbst ist in diesem Aspekt Erfolg Ausdruck von Erfüllung auf allen Seinsebenen. Insofern bin ich auch nur erfolgreich, wenn andere es mit mir sind. Und wenn ich es ganzheitlich gesehen bin. Und insofern gibt es für echten Erfolg viel zu tun. Ist Erfolg eher eine Haltung, ein Prozess, eine Art zu leben. Eher die Produktion und das Potenzial der Produktion von erfolgshaften Ergebnissen als die Ergebnisse selbst. Was meint ihr? Herzlich, Julian

    • Analytisch großartig (wie immer, Julian ;-). Es ist demnach durchaus ein Unterschied, ob es sich um eine Zuschreibung von außen handelt oder ob ich selbst mich für erfolgreich halte? Auf jeden Fall liegt beidem eine Wertung zugrunde! Eine Wertung durch die Gesellschaft und eben eine durch mich selbst. Ist dieses Bewerten nicht eine Eigenschaft, die insbesondere unserer Kultur eigen ist? Ich werde über Facebook mal meine ugandischen und kanadischen Freunde fragen, wie es dort aussieht – und über Bande die Frage mal nach Nepal schicken. Da bin ich sehr gespannt.

  3. Hallo Hannelore, interessante Frage von Dir und irgendwie gar nicht so einfach zu beantworten … wen nehme ich als „erfolgreich“ wahr und warum? Michael Phelps? Mark Zuckerberg? Arnold Schwarzenegger? Den Bekannten, der einen Start-Up mit vielen neuen Kunden aufzieht? Alle erfolgreich, oder? Rein objektiv betrachtet, d.h. nach Medaillen, Umsatz etc ja … also ist Erfolg messbar, oder? Ist das das Kriterium? Also wäre jemand, der wunderbar schreiben kann, aber kein Buch verkauft, nicht erfolgreich. Und irgendein „Maß“ gehört doch irgendwie dazu, oder nicht? Und ist Erfolg nicht auch immer relativ, d.h. im Vergleich zu Anderen?
    Puuh, ich schreibe gerade so vor mich hin, irgendwie bleibe ich gerade an dieser „Messbarkeit“ hängen, damit wäre Erfolg objektiv ermittelbar … aber wo bleibt da die eigene subjektive Einschätzung?

    • Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht. Gertraud sagt, Erfolg hat nichts mit Geld zu tun. Daniel und Elke sind hin- und her gerissen. Wenn man sagen würde, Erfolg muss irgendwie messbar sein, müsste man dann nicht fragen: messbar für mich? für andere? Und: wie misst man ihn, wenn Zahlen keine Rolle spielen? Aber: Ist nicht wenigstens der eigene Lebensunterhalt eine Größe? Wenn ich an Elkes Denkwochen denke – und auch an meinen Beruf: Wie steht es mit Reputation, Strahlkraft oder dem Lancieren eines Themas, über das plötzlich die halbe Welt debattiert? Und es gibt doch auch einen Unterschied, ob ich mich selbst als erfolgreich erachte oder andere. Oder?

  4. Liebe, liebe Hannelore,
    was für einen wunderbaren Diskurs, Du da wieder angezettelt hast. Ich freue mich daran teilhaben und -nehmen zu können. Interessanterweise war mein allererster Beitrag, den ich für den Bayerischen Rundfunk gemacht habe, genau eine Umfrage zu diesem Thema: Was ist für Sie Erfolg? War sehr spannend, was die Leute damals darauf geantwortet haben. Und ich selbst wurde von einem Unternehmensberater, als ich meine Denkwochen erdacht habe, ebenfalls gefragt: Wann ist eine Denkwoche für Dich erfolgreich? Ich habe „fälschlicherweise“ geantwortet, wenn die Gäste berührt und inspiriert werden. Ich sollte sagen, wenn sich das alles rechnet und Geld übrig bleibt.
    Ach ich könnte stundenlang darüber rätseln und reflektieren, was Erfolg ist und bedeutet. Ich melde mich sicher noch mal…

  5. Für mich ist ein Mensch erfolgreich, wenn er/sie eine authentisch herzliche und gütige Ausstrahlung hat. Das, was diese Person mit ihrem Werk erreicht hat oder bewirkt, müsste mich und andere Menschen ansprechen, inspirieren und in eine positive Resonanz bringen. Von daher hat es nichts mit Geld zu tun. Dazu gehört, dass die Person mit sich im Einklang ist und menschlich wirkt. Das ist sehr subjektiv. Es können junge, alte, arme oder reiche Menschen sein. Es hat auf jeden Fall mit gelungenem Selbstausdruck zu tun. Beispiele: Victor Frankl oder Anna Wimschneider.

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