Mittwoch, 24. Oktober 2012.Von Arusha über Dar es Salaam nach Zanzibar

Es gießt wie aus Kübeln auf das Hüttendach unserer Lodge am Fuße des Mount Meru in Tanzania. Regenzeit am Äquator. Eigentlich wollten wir den Kilimandscharo besteigen, oder doch zumindest eine Safari in den Nationalpark machen. Aber uns dämmert, dass wir zur falschen Zeit am falschen Ort sind, und wir beschließen, am zentralen Busbahnhof von Arusha eine Fahrkarte für den Dar Luxury Express zu kaufen und am nächsten Tag in Richtung Dar es Salaam zu verschwinden.

Zehn Stunden Fahrt liegen vor uns, aber selten habe ich eine so lange Fahrt als so stressfrei empfunden. Die Klimaanlage funktioniert, die Stewardess bringt Getränke, von den Bildschirmen dudeln Soaps und sogar die vielen Kinder sind ruhig und friedlich.

Ankunft in Dar-es-Salaam bei tief stehender Sonne, die hier jahraus, jahrein um 18 Uhr untergeht. Noch im Bus sitzend hat mich ein Taxifahrer ins Visier genommen. Er weicht beim Aussteigen nicht von meiner Seite, palavert etwas von einem „guten Preis“ und lässt unser Gepäck schon mal in seinem Kofferraum verstauen. Mein „STOP!“ lässt ihn ungläubig zusammenfahren. Koffer und Taschen wieder raus – ich habe mich für einen anderen Taxifahrer entschieden mit dem ich – das habe ich inzwischen gelernt – im Voraus den Preis ausgehandelt habe.

Auch hier herrscht wie überall auf unserer Reise ein unglaubliches Durcheinander von Menschen, Gerüchen, Geräuschen. Dar es Salaam ist fremd und aufregend. Immer wieder entdeckt man Spuren der deutschen Kolonialzeit. In manchen Vierteln müssen wir achtgeben, nicht in Mokka- und Teegläser zu treten, weil Männer palavernd am Boden sitzen. Unten am Meer, wo wir unsere Tickets für die Überfahrt nach Zanzibar kaufen, seift sich jemand ausgiebig ein, ein anderer meditiert in Richtung untergehender Sonne – völlig versunken in sich und seine Spiritualität.

Wir verlassen Dar mit einer der vielen Fähren in Richtung Stone Town. Bei unserer Ankunft empfängt uns erneut eine Händler- und Reisebegleitermeute – ich werde mich daran nicht gewöhnen. Die Insel aber entschädigt für alles: dieser schillernde, fremde Traum im türkisfarbenen Ozean, mit warmem Wind, feinem Sand, raschelnden Palmen am Strand, mit orientalischen Farben, Gesängen, Gerüchen. Man findet Spuren des einstigen Sklaven- und Gewürzhandels, es gibt indische, arabische, afrikanische und europäische Einflüsse. Stone Town, mit taarab Musik und dem Gesang des Muezzins, ist wie ein Ort aus tausend und einer Nacht. Ein guter Ort, um dem europäischen Winter zu entfliehen.

Kommentare (4)

  1. Kurzurlaub trifft’s, Mona. Irgendwann in diesem Leben will ich auch mal nach Afrika!

  2. Irgendwie kann ich mich nicht dagegen wehren, dass etwas Neid – vor allem aber Sehnsucht in mir aufkeimt.
    Hans-Jörg

    • Ja, dann nichts wie los, lieber Hans-Jörg. Man fliegt ja nicht 11 Stunden, um am Strand zu liegen, sondern um andere Kulturen kennenzulernen. Und das ist auf jeden Fall mehr als lohnend!

  3. Vertrauensvoll,verträumt bin ich mit Dir gegangen und hatte für einige Minuten eine tiefe Entspannung –
    einen Kurzurlaub durch Deine Bilder – Danke!
    Mona

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