Donnerstag, 17. April 2014.„Vielen Dank für Ihr Interesse!“

Nach Vorträgen oder Lesungen, nach hochinteressanten Rundfunk- oder Fernsehbeiträgen kommt dieser Satz: „Vielen Dank für Ihr Interesse“. Und jedes Mal frage ich mich: „Warum bedankt sich dieser Mensch bei MIR?“ Müsste nicht eigentlich ich mich bei ihm bedanken? Für die großartige Leistung, zumindest aber für meinen Erkenntnisgewinn?

Da bedankt sich jemand, der eigentlich der Gebende, nicht der Nehmende ist. Warum nur tut er das? Aus Demut? Wahrscheinlich nicht, denn wenn er nicht an die Qualität seiner Leistung glauben würde, wäre er zu Hause geblieben, sein Beitrag würde nicht gesendet werden.

Vielleicht spielt aber unterschwellig das Gefühl eine Rolle, dass Verbraucher immer mehr für immer weniger wollen und gedankliche Leistungen sowieso nicht messbar und somit auch nicht wirklich zu beziffern sind? Oder ist sein Schlusssatz vielmehr eine Floskel, so wie man sagt: „Herzliches Beileid“, weil einem angesichts von Trauer und Leid nichts Trostspendendes einfällt? Zugegeben: Floskeln erleichtern die Kommunikation, sind Vehikel, um dem Gegenüber kurz und knapp zu signalisieren, was man meint. Nicht zwingend negativ also. Floskeln können aber auch ein Zeichen dafür sein, dass sich Menschen bisweilen wenig Mühe machen, sorgfältig zu formulieren. Im Falle unseres Redner-Beispiels eigentlich kurios: Er betreibt für seinen Vortrag unendlich viel Aufwand und greift am Ende doch in die Floskelkiste. Oder ist er sich vielleicht doch nicht so sicher, seine Sache gut gemacht zu haben?

Meist wissen wir als Zuhörer die Gedankenleistung des Vortragenden sehr wohl zu schätzen, erkennen sein Know-how an und honorieren seine Mühe gern – und sei es „nur“ mit Aufmerksamkeit!

Deshalb wäre ein selbstbewusster Satz viel angemessener. Wie wäre es mit „Ich habe mein Wissen gerne mit Ihnen geteilt.“ „Viel Freude beim Nachspüren meiner Ausführungen.“ „Freuen Sie sich mit mir an immer neuen Erkenntnissen.“

Ich freue mich auf Ihre Erkenntnisse.

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