Mittwoch, 13. März 2013.Some machine is doing that for you!

In the year 2525, if man is still alive…” Kennt noch jemand diesen Song von Zager & Evans aus dem Jahr 1969?

Traurig-melancholisch singen sie: “In the year 5555 your legs got nothing to do, some machine is doing that for you.” Wenn es doch nur Maschinen für die harte körperliche Arbeit wären. Frank Rieger vom Chaos Computer Club prophezeit in der FAZ bereits für die nächsten Jahre „Roboter müssen unsere Rente sichern„. Er schreibt:
„Maschinen … werden besser als die ursprünglichen menschlichen Datenzulieferer. Die sozialen Folgen sind leicht zu prognostizieren: Es sind nicht länger nur die Fließbandarbeiter, deren Job durch einen Roboter ersetzt werden kann. Es sind auch Buchhalter, Anwälte, Personalentwickler, Marketingmitarbeiter, sogar Journalisten und Wissensvermittler, also Lehrer und Professoren, die sich Sorgen um ihr berufliches Arbeitsfeld machen müssen.“

Schon jetzt erledigen Computer den „Parketthandel“, den An- und Verkauf von Aktien an der Börse durch MENSCHEN, was zu verrückten Kurssprüngen führt. Pflegeroboter sind in der Erprobung und Redaktionen bedienen sich seit Jahren ihrer Datenbanken, um daraus Textbausteine und ganze Absätze bereits veröffentlichter Artikel zu ziehen. Sie handeln nach der Devise: „Das Rad muss schließlich nicht jedes Mal neu erfunden werden, die Inhalte sind sowieso immer dieselben, und Einsparungen haben höchste Priorität“.

Was kommt auf uns zu, wenn Journalisten und Wissensvermittler durch Computer ersetzt werden? Hören die Menschen dann auf zu denken? Erledigt eine Handvoll Softwareentwicklern das Denken? Simplify your brain? Die Rentenkassen, um die Frank Rieger sich sorgt, und über die es eine sehr interessante Diskussion auf der FAZ-Seite gibt, wären für mich eher das kleinere Problem.

Liebe Herausgeber, Verleger und Chefredakteure: Widersetzt Euch diesem Trend. Lasst eure Redakteure (wieder) denken! Und lasst sie das schreiben, was sie denken! Leser sind nicht so dumm, sauber recherchierte, gut geschriebene Geschichten nicht von leeren Phrasen unterscheiden zu können. Wiedergekäutes zu veröffentlichen ist kein zukunftsfähiges Modell.

1 Kommentar

  1. Ganz so auf die leichte Schulter sollte man das mit der Rente aber auch nicht nehmen. Solange sich die Rente nach dem vorher erzielten Arbeitseinkommen richtet , bedeutet dessen Wegfall durch „Kollege Computer“ eben auch“ keine Rente“. Natürlich ist der immer häufiger zu beobachtende Ersatz selbst recherchierter und möglicherweise sogar zu Ende gedachter Beiträge durch zentral von Schreibautomaten zusammengestückelte Meinungskonserven eine schlimme Bedrohung der geistigen Grundlagen unserer Gesellschaft. Auch sie dürfte letztlich -wie so vieles- auf die von der „Finanzindustrie“ in den letzten Jahrzehnten ins aberwitzige gesteigerten Renditevorstellungen zurückgehen. Wenn sogar Deutschbanker ungestraft verkünden können, daß 25 % Eigenkapitalrendite inzwischen sein müssen , „um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können“, darf man sich nicht wundern, wenn auch hierzulande die sog.Realwirtschaft irgendwann nachzieht und ohne Rücksicht auf die Qualität ihrer Erzeugnisse und gesellschaftliche Folgen ihre Gewinnspannen ebenfalls weit über das bisher übliche Maß hinaus optimieren will. Warum sollen Verleger und ihre Aktionäre anders ticken als Automobilmanager, Post-Vorstände und dergleichen?

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