Mittwoch, 09. Januar 2013.Schule ist doch keine geschlossene Anstalt!

Harald Martenstein schreibt eine Kolumne für das Magazin der Wochenzeitung Die Zeit. Darin hat er immer mal wieder über die vielen Unterrichtsstunden sinniert, die an der Schule seines Sohnes – und nicht nur dort – ausfallen, und er hat auch gleich praktische Lösungen vorgeschlagen. Man könne, so seine Idee, in diesen Notfällen – und nur in diesen – doch Berufstätige unterrichten lassen: Biologieprofessoren etwa, Computerexperten oder Handwerker. Es ging ein Aufschrei der Entrüstung durch die deutsche Lehrerschaft. Wer sich für die Details interessiert, kann den humorvollen, hintersinnigen Text in der Zeit nachlesen.

Mag sein, dass die Lehrer genug haben von Belehrungen von außen, vielleicht befürchten sie aber auch, von anderen verdrängt zu werden. Sicher ist: Ihr Selbstbewusstsein könnte besser und ihre Souveränität größer sein.

Liest man die Berichte über die Schulen, die jetzt mit dem Deutschen Schulpreis 2011 der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet wurden, fällt auf: Sie alle haben sich geöffnet. Ausnahmslos. Nicht nur für  einzelne Personen und Experten, sondern radikal, im Kopf.

Dieselben Ängste wie die Lehrer, die so heftig auf die Martenstein-Kolumne reagierten, hatte der ehemalige Schulleiter des Johann-Schröder-Gymnasiums aus Karlstadt vor einigen Jahren, als die Schule beschloss, sich für externe Projekte zu öffnen. „Will ich es zulassen, dass meine Position geschwächt wird?“ hat er sich gefragt. Er hat es zugelassen und alle Schulleiter nach ihm auch. Jetzt ist die Schule einer der sieben Preisträger des Deutschen Schulpreises 2011.

Kommentare (5)

  1. @Hannelore:Durch kurzfristigen Ausfall zu vertetender Unterricht betrifft ja immer ein bestimmtes Fach und es ist unrealistisch, dafür einen Pool externer Experten vorzuhalten, die auch noch fachlich und pädagogisch passend vorgebildet sind. Ehe man Grundschüler nach Hause schicken muss, kann natürlich ein Pool von externen Betreuern/innen sinvoll sein, aber das ist hier doch sicher nicht gemeint… Lehrkräfte sollen doch nicht durch externe Experten ersetzt werden, schließlich sind sie selbst die pädagogisch und fachlich ausgebildeten Experten! Sie können jedoch für Projektunterricht durch Experten ergänzt werden, die ihre speziellen Praxiserfahrungen in die Schule einbringen, was von den Schülerinnen und Schülern dann auch anders angenommenwird, als wenn es von den Lehrkräften kommt, die dann „aus zweiter Hand“ lehren…

    • @Wulf Wersig: Auch bei diesem Kommentar habe ich leider das Gefühl: Nur Lehrer können Schülern etwas beibringen. Warum muss jeder, der vor einer Klasse steht und – um beim Beispiel zu bleiben – mit seiner beruflichen Expertise etwas über seinen Beruf erzählt, fachlich und pädagogisch „passend“ vorgebildet sein? Gibt es nichts über das Leben zu lernen? Zur Erinnerung: Es ging um Unterrichtsausfall, Stunden also, in denen sonst überhaupt nichts vermittelt wird. Also lieber nichts als etwas von Experten, die keine Lehrer sind.
      Es bestätigt sich eben doch, dass Schule ein besonderes Hoheitsgebiet ist, wo die Kompetenzen anderer nicht gefragt sind. Das ist wirklich schade.

  2. @Wulf Wersig: Gäbe es denn aus der Sicht eines Schulleiters, der ja viel mit Externen arbeitet, eine Möglichkeit, ausfallende Unterrichtsstunden durch Externe durchführen zu lassen? Wäre es denkbar, sich einen Pool von externen Experten über einen längeren Zeitraum aufzubauen, aus dem man dann spontan „schöpfen“ könnte – denn Unterrichtsausfälle sind ja eben nicht vorhersehbar, und diese Menschen müssten rasch verfügbar sein. Das wiederum erscheint schwierig beim Einsatz von Berufstätigen, die nämlich den Vorteil hätten, nicht auf ein Honorar angewiesen zu sein. Die Argumente, die gegen den Einsatz Externer sprechen, sind wohl eher organisatorischer denn fachlicher Natur …

  3. Natürlich sollte sich eine Schule nach innen und nach außen öffnen. Es ist sicher unrealistisch, Spontanvertretungen von Außenstehenden durchführen zu lassen, für von regulären Lehrkräften betreute Unterrichtsprojekte externe Experten/innen „einzukaufen“, ist jedoch sehr empfehlenswert. An unserer Schule hat sich der Projektunterricht mit professionellen Schauspielern sehr bewährt, man muss das allerdings auch finanzieren können….

  4. learning by doing und das ein Leben lang war schon immer meine Devise…
    Bin gespannt was sich im grün-schimmernden Baden-Württemberg an Perspektiven in diese Richtung entwickelt! Angst frisst Seele auf, das habe ich
    in der Bildungszunft am meisten gespürt

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