Mittwoch, 24. September 2014.Multitasking – Wozu?

Multitasking ist das Erledigen mehrerer Aufgaben zur gleichen Zeit. Multitaskingfähigkeit wird mehr oder weniger als Basiskompetenz vorausgesetzt. Im Job und in der Freizeit. Wer will nicht möglichst wenig Zeit für das aufwenden, was er „abarbeiten“ muss? Je mehr Dinge man gleichzeitig erledigen kann, desto besser. Zum Beispiel vom Büro nach Hause joggen und unterwegs im Park schnell einen Salat zubereiten.

Und was machen wir nun mit der „gewonnenen“ Zeit? Wir beantworten noch mehr Mails, erledigen noch mehr Telefonate, führen noch mehr Gespräche, tätigen noch mehr Abschlüsse. Also eigentlich erledigen wir noch mehr Aufgaben in noch kürzerer Zeit. Wir nennen das Produktivitätssteigerung.

Was meinen wir eigentlich, wenn wir sagen, wir hätten „Zeit gewonnen“? Lässt sich Zeit überhaupt gewinnen? Die geht doch – zumindest in unserem Sonnensystem – einfach weiter, kümmert sich nur um sich, nicht um uns. Dabei fühlen wir uns so wichtig mit unserer Produktivitätssteigerung. Bis wir irgendwann merken: Im Gegensatz zur Zeit ist unser Leben endlich. Seit ich das weiß, wirklich weiß (!), gehe ich sorgsamer und achtsamer mit der Zeit – mit meiner Zeit! – um. Und das Tun hat an Qualität gewonnen – für mich selbst, aber auch im Ergebnis.

Ich dachte, die Zeit sei zu kostbar, um still zu sitzen, nichts tun, nichts zu denken. Es ist genau andersherum. Es gibt nichts Kostbareres, als täglich mindestens eine halbe Stunde lang still zu sitzen und nichts anderes zu tun, als auf den eigenen Atem zu achten. Probieren Sie’s mal aus und schreiben Sie mir, was passiert ist.

Kommentare (5)

  1. Ich finde es auch gut, nichts zu tun.
    Das nenne ich SEIN.
    Oder SEIN LASSEN.
    Erfordert allerdings jede Menge Übung. Z.B. beim Zug Fahren nicht lesen, sondern aus dem Fester gucken … Und beim Allein Essen nicht mal Radio hören? Naja, mindestens Musik oder so…
    In diesem Sinne, besinnlich: ich bin und du bist im wir sind.
    Gertraud.

  2. Ein wichtiges Thema: Meine Erfahrung seit Jahren ist die, dass ich Multitaskingsituationen in dem Moment beende, wenn eine Aufgabe meine höchste Konzentration erfordert. Und für den Ausgleich insgesamt sind Dösen und autogene Trainings wirklich wunderbar. Und: täglich mit den Hunden in den Wald gehen … 😉 Schönste Grüße aus FN!

  3. „Meine“ Haare wachsen, die Fußnägel auch, Verdauung, Gedanken, Herzschlag, Atem, die Finger+Hände+Arme+komplexes Bewegungssystem tippen diesen Text auf der Tastatur des Computers, „ich“ höre die Vögel zwitschern, schmecke den Geschmack des Tees, den ich gerade getrunken habe im Gaumen, spüre meinen Rücken an der Lehne des Stuhls…alles gleichzeitig. Bemerken tun wir´s wohl nur in der Stille, welche Multitasking-Genies wir sind. Hut ab. Applaus.

    • Hm, Erledigen von Aufgaben?? Vögel zwitschern hören, Tee trinken, Stuhllehne spüren. Ich glaube, „task“ meint etwas anderes, lieber Wolf. Trotzdem natürlich Hut ab vor Dir 😉

  4. Wenn ich multitätig unterwegs bin, muss ich meist mindestens eine der Tätigkeiten wiederholen!! Weil ich nicht richtig aufgepasst habe, nicht konzentriert war. Die Zeit, die ich ‚einsparen‘ wollte, hänge ich nun hinten dran. Ergo: eigentlich macht man multitaskig nichts richtig ordentlich. Die Achtsamkeit fehlt!! Für die Aufgabe, für den Anderen (ich stabe gerne ab, solange ich telefoniere – schrecklich!), für sich selbst. Jetzt hat man uns (Frauen) solange eingeredet, Multitasking sei toll, dass es schwer fällt, es wieder loszulassen. Ich übe aber, multimäßig!
    Ganz bei der Sache – Elke

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