Freitag, 31. Juli 2015.Kultur schlägt Strategie

Dieses Zitat, frei nach Peter Drucker, sollte uns eigentlich dazu ermutigen, all die „Tools“ und Kontrollen moderner Organisationen aufzugeben, die doch nur das Ego stärken und gleichzeitig zum Manipulieren verleiten. Sie entfremden die meisten Menschen vom Sinn ihrer Arbeit, demotivieren und führen zum Burn-out oder zu Kündigungen. In seinem Buch „Reinventing Organizations“ (Organisationen neu erfinden) beschreibt Frédéric Laloux, wie die „evolutionäre Organisation“ den Menschen die Freude an ihrer Arbeit zurückgibt.

Jede Entwicklungsstufe – von der traditionellen zur modernen (leistungsorientierten) und von der modernen zur postmodernen (pluralistischen) Organisation – hat zu einer immer höheren Wirksamkeit und besseren Ergebnissen geführt. In modernen Organisationen gelten Prinzipien wie Innovation, Verlässlichkeit, Leistung. Es gibt Abteilungen für Forschung und Entwicklung, Marketing und Produktmanagement, es stehen neben Prozessen auch Projekte im Mittelpunkt.

Moderne Organisationen haben uns einen nie gekannten Wohlstand gebracht. Aber inzwischen streben wir Wachstum um des Wachstums willen an, was weder ökologisch noch finanziell noch humanitär zu rechtfertigen ist. Darüber hinaus hält dieser Wohlstand nicht, was wir uns erhofft haben: Immer mehr Besitz, immer neue Mode oder ein ewig junger Körper machen uns nicht glücklicher. „Wenn sich Jahr für Jahr alles auf Zielvorgaben und Zahlen, Milestones und Deadlines, noch ein weiteres Change-Programm und eine funktionsübergreifende Initiative beschränkt, dann fragen sich manche Menschen, was eigentlich der Sinn des Ganzen ist und sehnen sich nach etwas anderem“, schreibt Laloux.

Es geht ihm in seinem Buch in der Hauptsache um eine nächste Entwicklungsstufe: die evolutionäre Organisation. Sie entspricht dem, was Abraham Maslow als höchste Bedürfnisstufe beschreibt, der Selbstverwirklichung. Wir erreichen sie, indem wir das eigene Ego überwinden und die Ängste dieses Egos nicht mehr reflexhaft alles kontrollieren. Dann tritt an die Stelle von Angst das Vertrauen in die Lösbarkeit von Problemen und in den Sinn von Fehlern.

Laloux beschreibt in „Reinventing Organizations“ Unternehmen, die bereits dieses integrale evolutionäre Paradigma erreicht haben. Sie sind ökonomisch sehr erfolgreich, die selbstgeführten Teams sind hoch motiviert, „auto-innovativ“, effizient, und – was wohl das Wichtigste ist – wissen um den Sinn ihrer Arbeit. Diese Form der Organisation kennt kein mittleres Management und nur sehr reduzierte zentrale Unterstützungs-Funktionen, die Gemeinkosten verursachen. Es gibt selbst organisierte Teams von 15 bis 20 Personen, 300 bis 400 Personen pro Standort. Die Teams verantworten alles selbst: Budgets, Arbeitszeiten, Personalentwicklung, Gehälter, Einkauf, Qualitätssicherung, Strategien, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing.

Dieses Buch ist die kluge Analyse eines Autors, der an die Intelligenz der Menschen und an die Kraft des Teams glaubt. Frédéric Laloux war Associate Partner bei McKinsey und ist heute Berater und Coach für Führungskräfte, die nach neuen Wegen der Organisation eines Unternehmens suchen.

1 Kommentar

  1. Sehr gute, sehr richtige Worte – in der Theorie.
    Die Praxis zeigt, dass in freien selbstbestimmten Teams von auch nur 5 Personen fast immer eine dabei ist, die sich von den anderen tragen lässt und die Leistungserstellung eher hemmt als fördert.
    Andererseits gibt es keinen besseren Motivator als Sinn in der Arbeit zu sehen, die man macht, und zwar Sinn, der sich auf andere richtet und nicht auf sich selbst. Das kommt in dem Artikel gut zur Sprache.

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