Mittwoch, 05. Juni 2013.Inklusion – Chance für gesellschaftlichen Wandel

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Inklusion heißt: Jeder Mensch kann sich gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen beteiligen, egal, welche Fähigkeiten er hat, woher er stammt, wie alt er ist, welches Geschlecht er hat.

Davon sind wir leider im Moment noch ziemlich weit entfernt. Aber die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesregierung 2009 hat das Thema in die Mitte der Gesellschaft katapultiert. Das liegt vor allem daran, dass Eltern von Kindern mit Handicap uns vor Augen führen, dass nicht sie allein sondern wir alle zuständig sind für ihre Kinder. Und sie nehmen das Recht ihrer Kinder auf inklusive Bildung in Regelschulen wahr. Die Diskussion darüber, ob Inklusion gut oder schlecht ist, ob wir sie umsetzen oder nicht ist überflüssig. Sie ist geltendes Recht! Es ist an der Zeit, die Chancen zu sehen!

Wir Bewohner der reichen Industrieländer stehen an der Schwelle zu einer gewaltigen Transformation unserer Lebens- und Arbeitswelt. Vielen dämmert, dass ein „Weiter so“ nicht funktioniert. Auch wenn niemand weiß, wie eine andere Welt genau aussehen kann, bekommen wir doch eine Ahnung davon: Konkurrenzdenken ist von gestern, Ideen, Produkte und Dienstleistungen entstehen im Miteinander und werden dadurch einmalig. Die Welt ist ein Dorf, andere Lebensentwürfe als der eigene sind nichts, was man wertet, Status ist nicht wichtig, man grenzt sich nicht ab, hat keine Vorbehalte, ist tolerant, sozial und umweltbewusst.

Wenn wir es schaffen, uns von unseren Mustern und Gewohnheiten zu verabschieden, blitzt eine Zukunft voller Chancen und ungeheurer Kreativität auf: die inklusive Gesellschaft. Anstatt unsere Kräfte mit destruktiven Gedanken, dem Festhalten an Hierarchien und Verteilungskämpfen zu verschwenden, hätten wir zahllose Möglichkeiten, Neues zu schaffen. Was für einen innovativen Schub würde das auslösen.

„Wir“ – das ist die Generation 50 plus. Die Generation der gut ausgebildeten 25 bis 30-Jährigen lebt bereits diese inklusive Gesellschaft. Hoffen wir, dass sie resistent sind gegen das System 50 plus.

Kommentare (6)

  1. Hallo Hannelore,
    großartiger Text, der Inklusion prägnant auf den Punkt bringt und den Weg weist. Es wäre toll, wenn man jetzt viele positive Beispiele sammeln könnte, wo Inklusion funktioniert….Übrigens finde ich die Visualierung sehr gelungen (Photo Freundschaftsbänder) und schön.
    Herzlich, Patrizia

    • Wir sind dabei, nicht nur Beispiele zu sammeln, wir planen auch, sie öffentlich zu präsentieren.
      Danke auch für Deine Aufmunterung, Patrizia!

  2. Liebe Hannelore,

    Liebe Hanneore,
    danke, wieder mal danke, für Deine Worte. Ich kann freue mich über jeden Satz und möchte noch hinzufügen, möge jeder einen Versuch machen, an dem Platz aufmerksam zu sein, wo eine Möglichkeit der Inklusion besteht. Ich hatte gerade so ein kleines Beispiel, das mich berührte. Ein Konzert im Château, vierhändiger Klavierabend, eine Frau kommt auf mich zu, stellt sich mir vor. Sie heißt Christine ist sehr berührt von dem Konzert, ist alleine gekommen, weil ihr Mann auf den behinderten 42jährigen Sohn zu Hause aufpasst. Ob sie den Sohn Eric wohl einmal mitbringen kann? Ja sage, ich aber ja! Aber, was tun wir, sagt sie, wenn er das Konzert stört? Wenn er schreit und Laute ausstößt, die stören? Ich weiß es nicht, offen gesagt, ich weiß nicht, was dann ist. Dennoch, sage ich zu Christine, es ist einen Versuch wert. Wo, wenn nicht hier und wer, wenn nicht wir sollten versuchen Menschen und Musik zu verbinden?

    • Grandios, liebe Elke, nur so kann es gehen! Ausprobieren und darauf vertrauen, dass man irgendwie damit umgehen kann. Wunderbar.

  3. Hallo Hannelore
    Interessanter Blog
    Aber es wird schwierig mit der Visualisierung der neuen Welt sowie das inklusive 50 + Menschen…..nicht alle besitzen die Intelligenz ….und alles hat mit Veränderung zu tun ….und schon diese funktioniert beim Großteil nicht ….
    Wie weiter ??

    • Hallo Sinai,
      Visualisieren – das ist ein wunderbarer Ansatz! Es gibt schon so viele Beispiele, die beweisen, dass diese Gleichberechtigung funktioniert, wenn man sie denn will. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel im Denken: Weg vom „schwierig“, „funktioniert nicht“ hin zu „Was muss ich tun, damit es funktioniert“? Du kennst dieses Zitat, das man Antoine de Saint-Exupéry zuschreibt?
      Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas par rassembler du bois, couper des planches et distribuer du travail, mais reveille au sein des hommes le desir de la mer grande et large.
      (Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.)
      Übersetzt: Halte Dich nicht auf mit dem Klein-Klein der Strukturen, sondern …
      SO könnte es weitergehen!

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