Donnerstag, 10. Oktober 2013.Facebook – Das neue Zuhause

Schon der elektronische Briefkasten vermittelt eine Beständigkeit, die es in der Realität längst nicht mehr gibt. Post erreicht uns immer, und zwar unter derselben Adresse, jahrelang. Irgendwie stellt man sich vor, der Empfänger säße zwar nicht unbedingt Zuhause aber doch immer am selben Ort. Was natürlich Unsinn ist. Der holt seine Mails in Bangkok, Vancouver oder sonst wo ab – und auch niemand merkt, dass er längst umgezogen ist. Nachsendeanträge für die Urlaubszeit, als Mailweiterleitung vom dienstlichen auf das private Postfach, organisiert jeder selbst – wenn er denn die dienstlichen Mails im Urlaub überhaupt lesen will.

So ähnlich ist es mit Facebook. Irgendwie ist dieses Ding zu einer Art virtuell/realem Ort geworden. Klar weiß man, dass Nachrichten und Bilder mit dem Smartphone quasi im Gehen verschickt werden können. Dennoch hat auch Facebook inzwischen eine Form von Beständigkeit, die signalisiert: Alle Freunde sind noch da, irgendwie in meiner Nähe – in einem großem Dorf.  Unlängst postete ein Freund ein Umzugsbild. Kein reales von seinem eigenen Umzug sondern irgendeines. Und weil ich das Gebäude nicht als „seines“ erkannte, habe ich nicht wirklich realisiert, dass er jetzt auf einem anderen Kontinent lebt. Aber das macht nichts, denn seine Facebook-Posts kommen genauso zuverlässig und regelmäßig wie sonst auch. Also ist es mir egal. Nur die Bilder sind andere.

Wollte ich ihn besuchen – ich würde ihn an seiner alten Adresse nicht mehr finden. Aber das macht nichts. Ich habe Facebook und besuche niemanden mehr. Ich habe alle meine Freunde in meinem großen Dorf.

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