Samstag, 07. Februar 2015.Ein guter Ruf macht stolz

„Stolz“ – ein altmodisches Wort? Hand aufs Herz: Jemand, der stolz darauf ist, bei einem bestimmten Unternehmen zu arbeiten, ist uns doch ein bisschen suspekt, oder? Warum kommt uns heute merkwürdig vor, was früher normal war?

Das Institut für Demoskopie in Allensbach ermittelt seit vielen Jahren das Vertrauen der Menschen in Unternehmen. Noch bis 2001, dem Jahr der Anschläge auf das World Trade Center, war die Mehrheit der Deutschen davon überzeugt, die gesamte Gesellschaft profitiere von Unternehmen, weil sie Betriebe aufbauen und Arbeitsplätze schaffen. Seit 2005 kehrt sich das Verhältnis um, und 2008 fanden schon 55% der Befragten, es gehe Unternehmern nur um den Gewinn und es sei ihnen egal, ob sie dabei Schaden anrichteten. Es ist davon auszugehen, dass dieser Prozentsatz seither noch gestiegen ist und weiter steigt. Das ist eine dramatische und – bezogen auf die Mehrheit der Unternehmen – nicht gerechtfertigte Einschätzung.

Ist Unternehmen dieser Vertrauensmalus  – und dass es zu wenig ist, sich „korrekt“ zu verhalten – eigentlich bewusst? Wie viele Betriebe legen Wert auf ihren guten Ruf? Gehört Kommunikation – wie es sein müsste – zum Kerngeschäft? Ohne schon wieder Watzlawick bemühen zu wollen: Auch wer schlecht oder gar nicht kommuniziert, kommuniziert.

Deshalb müssen MitarbeiterInnen und Kunden transparent und ehrlich informiert werden, Unternehmen sollten  die Möglichkeiten des Dialogs nutzen, um Vertrauen (zurück) zu gewinnen. Es gibt viele Handlungsfelder mit großem Potenzial. Unternehmen, die das erkennen und strategische Maßnahmen einleiten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Boot holen, Teams bilden und den richtigen Ton treffen spielen schon in der Champions-League. Wer geschickt agiert, gewinnt Vertrauen und motiviert die Mitarbeiter – Voraussetzungen, um Stolz zu empfinden.

Die Generation der gut ausgebildeten unter 30-Jährigen mit hohen ethischen Ansprüchen (die „Generation Y“), die gerade von den Hochschulen auf den Arbeitsmarkt kommt, will stolz sein können auf ihren Arbeitgeber. Wer das nicht sein kann, geht.

credit: fotolia

Kommentare (2)

  1. Ist ja alles wunderbar schön und da steht auch sehr viel furchtbar gescheites zur Frage, was denn Erfolg sei. Ich halte es mit Mahatma Gandhi, der mal sagte, es sei nicht wichtig was man tut, sondern wie man es tut. Also liebe Professoren, Doktoren, geschickte Marketingleute, Baurarbeiter, Briefträger, Klofrauen oder Kloherren…egal zu welchem Job Ihr Euch entschieden habt – macht ihn einfach so gut Ihr könnt! Dann ist Euch Erfolg gewiss. Aber misst den Erfolg an jenen Dingen die Euch selbst betreffen, nicht an dem was man über Euch erzählt.
    Herzliche grüsst,
    Dominique Oppler

  2. Klar arbeiten wir, um zu leben. Aber wenn wir nur Geld für unsere Arbeit bekommen sind wir nicht glücklich. Der Mensch möchte auch gebraucht werden und sehen, dass seine Arbeit nützlich ist. Z.B. die Psychotherapie Viktor Frankls beruht auf dieser einfachen Erkenntnis.
    Ist das gegeben kann ein Mensch viel leisten, kreativ sein, produktiv sein.
    Die andere Grenze darf aber auch nicht überschritten werden, die der Überlastung. Sonst frisst einen auch die sinnvolle Arbeit auf. Um hier selbst eine Grenze zum Selbstschutz zu ziehen, kann ein wenig Stolz kein Fehler sein.

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