Digitale_Dividende

Mittwoch, 02. April 2014.Digitale Dividende – Von der Pädagogik 1.0 zur Pädagogik 3.0

Vor wenigen Tagen ging in Stuttgart Europas größte Bildungsmesse didacta zu Ende. Erstmals rückte sie das digitale Lernen mit einer eigenen Halle besonders in den Fokus. Noch haben die Schulen und Schulbuchverlage keine digitale Bildungsoffensive gestartet, aber es ist spannend zu sehen, welche enormen Potenziale digitale Medien und das Internet für die Schule der Zukunft bergen und wie sie Bildung für alle generieren könnten.

Von Digitaler Dividende spricht der Buchautor Olaf-Axel Burow in diesem Zusammenhang und meint damit die einmalige „Chance, dass uns unabhängig von Ort und Zeit die besten Lehrer/innen und Lernmaterialien kostengünstig zur Verfügung stehen und wir alle zu Mitgestaltern neuartiger Lehr-Lern-Umgebungen werden können.“ Burow zeigt, wie Bildungsinstitutionen mit Open Education experimentieren und sich damit von der Frontaltechnik abwenden.

Ausgestattet mit Tablet-PCs machen Kids in der Schule das, was für Studierende längst üblich ist: Sie greifen auf individualisierte Lehr- und Lernmaterialien zu und werden dabei begleitet von Lehrern und Lehrerinnen, die ihnen als Navigatoren helfen, Information in Wissen zu verwandeln. Verlage spielen in dieser Welt keine Rolle mehr, denn diese Bildungsplattformen werden meist betrieben von unabhängigen „Bildungsidealisten“ oder Altruisten, wie z.B. Salman Khan, dem Gründer der Khan Academy (khanacademy.org). 4teachers.de ist ein Portal, in dem Lehrerinnen und Lehrer kostengünstig Materialien nutzen können, die Kollegen dort eingestellt haben. Burow listet in seinem Buch viele weitere – auch kostenpflichtige – Angebote für Schüler und Schülerinnen, Studierende und Lehrer/ Lehrerinnen auf.

Mit einer Pädagogik, die sich diesen neuen Möglichkeiten öffnet, könnte das lustvolle Lernen in den Fokus rücken. Diese Ideen neuer Bildungswelten, die Burow vorstellt und die sich an der Lebenswirklichkeit des 21. Jahrhunderts orientieren, könnten die Debatte um Unterrichtsmethoden (wann wo und wie gelernt wird) ungemein beflügeln. Doch da gilt es zunächst, Hürden zu überwinden: Politiker müssten Bildungspläne nicht nur neu schreiben, sondern neu ‚denken’, und sie müssten sich für Gelder für eine zeitgemäße Ausstattung stark machen. Schulbuchverlage müssten sich mit ihrem geballten Wissen über Bildungsinhalte und Didaktik in eine Qualitätsdebatte einbringen, Lehrende sich auf interaktiven Unterricht einlassen. Eine mehr als lohnenswerte Anstrengung!

Die lohnenswerte Lektüre dazu:
„Digitale Dividende – Ein pädagogisches Update für mehr Lernfreude und Kreativität in der Schule“.
Olaf-Axel Burow, EUR 26,95, ISBN 978-3-407-25707-9
1. Auflage 2014. 280 Seiten. Broschiert. Erschienen im Beltz-Verlag

BU: Auch diese Schule in Uganda könnte von digitalen Lerninhalten profitieren 

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