Freitag, 27. Juni 2014.Diese Jugend!

Sie heißen Julia, Leon, Marie oder Jannik. Sie twittern und what’s-appen, bis das Display flackert, navigieren im Internet souveräner als in der heimischen Küche, chillen und chatten nächtelang. Und: Sie lesen im Altenheim vor, bringen Fußballknirpsen das Kicken bei, bereiten sich bei der Freiwilligen Feuerwehr auf den Ernstfall vor, sind Betreuer in Feriencamps. Kurz: Sie engagieren sich für andere.

Vor allem in Baden-Württemberg wird ehrenamtliches Engagement bei jungen Menschen groß geschrieben: 43 Prozent der 14- bis 30-Jährigen engagieren sich laut Freiwilligensurvey 2009* für soziale Projekte. Vor allem die Gruppe der 14- bis 19-Jährigen ist stark vertreten. Und das, obwohl die heranwachsenden Menschen in dieser Zeit mit Schule, Pubertät oder Lebenssinnfindung eigentlich genug zu tun haben. Trotzdem ist ihre Motivation groß, sich einzubringen und etwas zu bewirken. Dass dabei nicht unbedingt ideelle Gründe im Vordergrund stehen, mindert den Einsatz nicht. Auch Erwachsene suchen sich die Tätigkeit, die ihnen Freude macht und persönliche Bereicherung verspricht. Das ist legitim. „Helfen“ muss nicht wehtun.

Bei den jungen Menschen kommt hinzu, dass sie sich Vorteile fürs spätere Berufsleben versprechen. Laut einer Studie des Hochschul-Informations-Systems „HIS“ gaben dies 60 Prozent der Studenten an. Doch welche Gründe auch immer eine Rolle spielen – entscheidend ist, dass der gesellschaftliche Kitt nicht ausgeht, dass auch die heutigen Teenager Verantwortung übernehmen und sich kümmern. Toll ist, dass sie dabei viel fürs Leben lernen: zum Beispiel dass eine Gemeinschaft nur gemeinschaftlich funktioniert, dass jeder einmal Hilfe braucht, dass man Dinge voranbringen kann. Wir Älteren sollten unseren Nachwuchs nach Kräften unterstützen und in ihrem ehrenamtlichen Tun bestärken. Sie spüren lassen, dass wir sie brauchen, sie schätzen und dass sie ein wichtiger Teil des Gemeinwesens sind.

Auch beim jugendlichen Ehrenamt macht sich das soziale Gefälle bemerkbar, und vielleicht können wir alle deshalb versuchen, jungen Menschen aus bildungsfernen Schichten den Zugang zu Vereinen und Institutionen zu erleichtern, bei denen sie und ihr Einsatz willkommen sind. Ehrenamtliches Engagement macht stolz und glücklich – diese ‚geile’ Erfahrung ist möglichst vielen Jugendlichen zu wünschen!

*Quelle: Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009 für Baden-Württemberg, repräsentative Trenderhebung im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und Bürgerschaftlichem Engagement. Der Bericht erscheint seit 1999 alle fünf Jahre.

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