Dienstag, 21. Januar 2014.Die Tücken der Kommunikation

Foto: Dieter Soldan

Mal ehrlich: Jeder von uns hält sich doch ohne mit der Wimper zu zucken für einen guten Zuhörer! Doch ist das tatsächlich so? Was hören wir denn eigentlich, wenn wir zuhören? Und hören wir dabei auch wirklich hin? Kommt das, was der Andere meint, auch so bei uns an? Die persönlichen Erfahrungen weisen in eine andere Richtung und die Wissenschaft ist skeptisch.

Je nach Erfahrungsschatz, sozio-kultureller Prägung, Überzeugungen und was den Menschen in seiner Ganzheit sonst noch ausmacht, kommt das, was unser Gegenüber sagt oder schreibt, unterschiedlich bei uns an.

Es ist ein bisschen so wie bei dem Kinderspiel ‚Stille Post’: am Anfang geht der Tor zum Bäcker und endet schließlich tot und lecker. Beim komplexen Prozess des Kommunizierens wandeln wir um, filtern das Gesagte, vermeiden Informationen, die unserer Überzeugung widersprechen. Und wenn der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann behauptet, dass das Hirn dazu neige, schwierige Fragen zu vereinfachen, ist auch dies ein Hinweis auf die kognitiven Verzerrungen, denen wir ständig ausgesetzt sind.

Doch wie bekommen wir es hin, dass wir unser Gegenüber richtig verstehen? Vielleicht mit etwas mehr Zuwendung: ich konzentriere mich auf das, was du sagst oder schreibst (und mache nicht noch nebenher die Steuererklärung, die Einkaufsliste, den Abwasch…). Vielleicht auch mit etwas mehr Interesse: Ich bin ganz Ohr, weil ich wissen möchte, was du meinst (und blubbere nicht gleich los und sage dir, was ich meine). Kommunikation geht auf das lateinische Wort communicatio zurück und bedeutet Mitteilung. Kommuniziert jemand mit mir, möchte er mit mir teilen: seine Meinung, seine Sicht der Dinge, seine Einstellungen. Es liegt an mir, ob ich das ganze Angebot in Ruhe annehme und begutachte oder ob ich Teile herauspicke und sofort halbverdaut (und missverstanden) wieder ausspucke.

Natürlich bleiben uns die Tücken erhalten, doch mit ein wenig Hingabe (unserer Zeit, unseres Interesses) sind wir gewappnet und auf dem besten Weg zum Hinhörern.

Kommentare (4)

  1. Ich erlebe – beruflich wie privat – immer wieder, dass das, was gute Kommunikation ausmacht, falsch definiert wird. „Ich kann reden, schreiben und telefonieren, also kann ich kommunizieren“ lautet die einfache Formel und mir – die ich in der Kommunikation arbeite – wird mit einem milden Lächeln noch der Satz nachgeschoben „Und dafür bekommst Du auch noch Geld?“. Wie so oft, wird vergessen, dass auch hier die Qualität vor Quantität stehen muss und dass nicht der, der sprechen kann, automatisch gut kommuniziert…

    Als ich den Blog las, wurde mir bewusst, dass mir noch nie jemand gesagt hat: „Ich kann zuhören, also kann ich kommunizieren“. Interessant! Aber zu einem achtsamen Zuhören gehört die Stille, die manchmal – im wahrsten Sinn des Wortes – „ausgehalten“ werden muss, statt sie mit Aktionismus in welcher Form auch immer zu verdrängen, das fällt Vielen schwer. Noch dazu in einem Zeitalter, dass einem mit so viel Information und „Kommunikation“ überschwemmt, dass einem vermeintlich keine Zeit für Aufmerksamkeit, Reflexion und Zugewandt sein bleibt.
    Aber was ist eigentlich das schönere Kompliment? “Danke für Dein aufmerksames Zuhören“ oder „Danke für unser Gespräch, Deinen Rat, Deine Meinung“? Ich glaube, jede gute Kommunikation hat ihren Anfang zunächst im guten Zuhören als Basis für ein gutes Gespräch, für ein gutes Verstehen zwischen den Zeilen und hinter dem Gesagten sowie für eventuell damit verbundene gute Veränderungen – beruflich wie privat!

  2. Nicht nur in Talk-Sows kann man beobachten, daß für viele Menschen „Zuhören“ nur noch darin besteht, ab und zu mal selbst nicht zu sprechen, keinesfalls aber darin, wirklich auf das zu hören, was der andere sagt. Wenn der dann wieder still ist ( oft genug nicht, weil er mit seinem Gedanken fertig ist, sondern weil man ihn einfach unterbrochen hat ) bezieht sich der Zuhör-Verweigerer folgerichtig nicht auf das soeben Gesagte, sondern setzt einfach seinen Monolog fort, der durch irgendein Stichwort des Gegenübers- manchmal auch nur durch dessen Identität oder unterstellte „Lagerzugehörigkeit“- in Gang gesetzt wurde. Dieser Mangel an wirklicher Kommunikationswilligkeit ist auch die Ursache dafür, daß zu ganz vielen in der Öffentlichkeit diskutierten Themen praktisch kein Konsens mehr erreicht werden kann . Die Ursachen dieses Phänomens sind vielfältig. Wer sich z.B. seine Überzeugungen nicht selbst als – immer vorläufiges- Ergebnis eines ständigen Meinungsbildungsprozesses bildet, möchte sich seine kostbaren Gesamtkunstwerksallerweltsmeinungen natürlich nicht kaputtmachen lassen und deshalb hört man am besten gar nicht hin, wenn nicht ins Weltbild passende Argumente oder gar Fakten zu Gehör gebracht werden. Von den Leuten, die sowieso reden STATT zu denken, weil sie Angst haben, daß ihnen der Mund zuwächst, wenn er mal 5 Sekunden zu bleibt, wollen wir erst garnicht anfangen. Eine ganz wesentliche Ursache alltäglicher Kommunikationsunfälle ist aber sicher die in dem Blog bereits angesprochene mangelnde Konzentrationsfähigkeit. Wenn man mit dem Kopf eigentlich gar nicht bei der Sache bzw. bei seinem Gegenüber ist, hört man natürlich nur die Hälfte und kombiniert sich den Rest aus dem zusammen, was man sowieso dazu meint. Was manchmal einigermaßen paßt und manchmal eben nicht.

  3. Liebe Hannelore,

    ja…. ja….. ja……die eigene Form der „Hingabe“ beim Zuhören zu entdecken kann Wunder bewirken.
    Viel Freude beim Wundern,
    wünscht Dir und Euch
    Mona

  4. Wenn man ehrlich mit sich ist, die Kommunikation ist immer ein Erlebnis.
    Man nimmt auf – man hört und man sieht – das, was man kennt und weiß.
    Unbekanntes muss sich erst in unser Weltbild einfügen. Es ist für denjenigen, der mir etwas sagen will nicht klar, was bei mir ankommt. Also ist die Quintessenz, dass ich das, was der andere sagen will zuallererst verstehen WILL, denn erst dann stelle ich die mir nützlichen Fragen und gebe dem anderen eine Chance.

← Zurück zu allen Artikeln